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DON CARLOS, DER INFANTERIST VON SPANIEN
oder Das kommt davon, wenn man seine Stiefmutter liebt
Ein Drama für zwei Spieler, zehn Marionetten, Akkordeon und kleines Schlagzeug.
Sehr frei nach Friedrich Schiller, bedeutend verbessert von Silvius Landsberger.



Kritiken


Don Carlos beim Internationalen Fest der Puppen

von Raphael Bonitz, Lingener Tagespost 26.9.2005


Erfrischend respektlos
Riesenspaß: "Don Carlos..." mit satirischen Komponenten

Also! Kasper bringt das Dilemma schon auf den Punkt: Carlos liebt Elisabeth – hoffnungslos. Elisabeth liebt Don Carlos – auch hoffnungslos. Der alte Phillip ahnt von gar nicht.
Carlos? Elisabeth? Phillip? Gab es da nicht „Don Carlos“ von Schiller?
Was das Figurentheater Gingganz aus diesem Klassiker gemacht hat, das war auf der Bühne des „Professorenhauses“ zu sehen war, und es wurde ein Riesespaß für das große Auditorium: „Don Carlos, der Infanterist von Spanien“ ist ein Paradebeispiel, wie gut sich unsere Klassiker dazu eignen, sogar das politische Tagesgeschehen zu kommentieren.
Denn die beiden Spieler von Gingganz nutzen Friedrich Schillers Drama als Plattform für eine recht eigenwillige Interpretation und Umdeutung und sind dabei so richtig herzerfrischen und frechrespektlos. So ist die gegenwärtige Situation nach der Wahl eine willkommene Zielscheibe für das Abfeuern von Giftpfeilen. König Phillip „klebt“ geradezu an seinem Thron, „Ich kann doch jetzt nicht gehen.“
Und er wundert sich, wo seine Mitspieler sind: „Joschka sagt, er spielt nicht mehr mit, aber wo bleiben denn die anderen?“
Dabei macht sich nicht nur dieser liebevoll respektlose Umgang mit dem Werk des großen Dichters und Denkers den Reiz dieser Inszenierung aus, obwohl sich allein schon vom Textteil das Stück doppelt und dreifach bezahlt macht.
Es sind auch diese wundervollen Puppen mit ihren herrlich karikierten Gesichtern. Jede Figur erhält eine ganz eigene Stimme in einem eigenen Dialekt. Und das ist schon eine sprecherische Glanzleistung. ... Gingganz gelingt der Spagat, hochprofessionelles Marionettetheater mit beißender Satire zu verbinden und das in einer Art, dass jeder Zuschauer einfach mit lachendem Auge gefesselt wird....
Der begeisterter Applaus am Ende bestätigte es: Das Figurentheater Gingganz bietet Marionettentheatersatire auf höchstem Niveau. Schön, dass beim Festival für so etwas Platz ist.


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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".