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DON CARLOS, DER INFANTERIST VON SPANIEN
oder Das kommt davon, wenn man seine Stiefmutter liebt
Ein Drama für zwei Spieler, zehn Marionetten, Akkordeon und kleines Schlagzeug.
Sehr frei nach Friedrich Schiller, bedeutend verbessert von Silvius Landsberger.



Kritiken


"Carlos" als Figurentheater: "Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel"

Peiner Zeitung


Kluger Klamauk, clevere Klamotte

Als die Eboli verzückt mit ihrem Holzbusen klapperte, konnten die Zuschauer kaum noch vor lauter Lachen. Auch das hingelispelte ,Only You." der liebestollen Elisabeth erklärt den am Morgen danach aufgetretenen Lachmuskelkater. Sehmachtfetzen Karlemanns "Mama, Du sollst doch nicht um Deinen Jungen weinen" ging tief zu Herzen. Das Lied sang Don Carlos als Sohn; und als Liebhaber seiner Stiefmutter schwor er ihr: "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber uhunsre Liehiebe nicht." Dem Figurentheater "Gingganz" ist nichts mehr heilig. Von Schillers dramatischem Gedicht blieb kaum was übrig. Oft griff man in andere Stücke des Dichters oder erhaschte einen Fetzen Shakespeare.

Mechthild und Michael Staemmler spielten das Liebes- und Politstück als Kasperei, und kein Auge blieb trocken. Wenn es in der bereits von Schiller aufgemotzten Historie mal allzu sehr durcheinander ging, fand der süddeutsch palavernde Kasper den Überblick.

Letztere konnten sich auf die Handlung ganz gut konzentrieren, denn sie saßen auf der Festsälen-Bühne direkt vor dem Kaschperlekaschten. Die Darsteller boten, weil aus Holz geschnitzt, keinerlei Mimik, und doch ließen ihre Körper und Bewegungen den jeweiligen Seelenzustand erkennen.
Marquis von Posa trat als Altrevoluzzer Markus Posener an und ließ sich zum Glück nicht auf den Vorschlag Kaspers ein, den Abend anderswo zu beenden: "Geh' ma noch in die Bierbörse!"

Der kugelrunde, entscheidungsschwache und der Macht überdrüssige König brachte die Uralthandlung auf Tagesaktualität. Kaum hatte er den Thron erklommen, um mal wieder ein wenig zu regieren, blickte er sich nach seinem Ministern um: "Wo sind denn die anderen, in Brüssel? Zurückgetreten?"

Kluger Klamauk, clevere Klamotte. Geistreich, witzig und von hoher Sprechkultur (zwei Spieler, zehn Figuren). Alles wirkte wie aus dem Ärmel geschüttelt. Eine Inszenierung prall gefüllt mit feinem und deftigem Humor, dargeboten ohne technische Finessen. Kindliche Freude am Spiel. Schiller sagt es in seinem Gedicht "Thekla, eine Geisterstimme": "Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel".

Zum Schluss leitete der "Kriminaltango" das totale Chaos ein. Posa zündete seine Bombe, nur Kasper blieb am Leben, weil: solche Leute sind nicht totzukriegen sind.

Kurzkritik: Theater - um aus dem Original-Carlos zu zitieren - "in des Worts verwegenster Bedeutung".

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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".