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DON CARLOS, DER INFANTERIST VON SPANIEN
oder Das kommt davon, wenn man seine Stiefmutter liebt
Ein Drama für zwei Spieler, zehn Marionetten, Akkordeon und kleines Schlagzeug.
Sehr frei nach Friedrich Schiller, bedeutend verbessert von Silvius Landsberger.



Kritiken


Förderverein für Puppenkultur

Allgemeine Zeitung (Rhein-Main) 23.11.2004


Die sechste, vom Förderverein gesponserte Vorstellung war zum Abschluss der äußerst gelungenen "Marionettissimo"-Premiere das "rauschende Sensationsdrama" um Freund und Leid des Infanteristen Don Carlos.

Die sechste, vom Förderverein gesponserte Vorstellung war zum Abschluss
der äußerst gelungenen "Marionettissimo"-Premiere das "rauschende
Sensationsdrama" um Freund und Leid des Infanteristen Don Carlos, die
Intrigen am spanischen Hof und die Probleme von "Old King Philipp".
Selten dürfte ein deutscher Klassiker so viel Spaß gemacht haben wie
die herrlich-köstliche Mord-und-Totschlag-Geschichte von "Don Carlos,
dem Infanteristen von Spanien", die das Figurentheater Gingganz sehr
frei nach Schiller als Stück in Augenhöhe, nicht ganz ernst gemeint und
längst nicht so tragisch in Szene gesetzt hatte. Auf hohem
professionellen Niveau präsentierten die Puppenspieler, denen man bei
der Arbeit zusehen konnte, ganz ohne technische Finessen, dafür aber
mit jeder Menge akustischer Einlagen eine mitreißende Inszenierung,
prall gefüllt mit deftigem Humor, klugem Klamauk, witzigen Einfällen
und jeder Menge aktueller Anspielungen. Passend zur Handlung servierten
die Charaktere aus Holz und Pappe auch immer den richtigen Ohrwurm: Das
furiose Finale wird eingeleitet mit dem Kriminaltango, die liebestoll
lispelnde Elisabeth jault in den höchsten Tönen in Richtung Stiefsohn
die musikalische Liebeserklärung "Only you", und "Karlchen" revanchiert
sich inbrünstig mit Heintjes Schmachtfetzen "Mamaaaaa" und schwört der
"langen Dürren" dann als Liebhaber "Mamor Stein und Eisen bricht". In
dem Stück scheint nichts heilig, und so gibt es fröhliche Anleihen von
"Alter Schwede" bis zu Hamlets ewiger Frage "Sein oder nicht sein",
dazu die männermordende Prinzessin Eboli, die wild mit ihrem XXL-Busen
klappert und sich lockend auf dem roten Lotterbett räkelt oder einen
Wachmann, der mit wahrer Pferdelunge genial den Amtsschimmel wiehern
lässt. Dann gibt es noch den kugelrund daherkeuchenden König als
Spielball seiner speichelleckenden Berater und den Kasper, der
respektlos die mitunter drunter und drüber gehende Handlung in dem
turbulenten Liebes- und Politstück kommentiert und vorantreibt. Das
skurrile Chaos perfekt macht der glücklose Revoluzzer Marquis Posa, der
unter dem Motto Liberté, Brutalité und Dynamité für ein "zündendes"
Ende mit Knall, Feuer und Rauch sorgt.


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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".