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HASE UND IGEL UND ANDERER UNSINN
Drei Märchen mit Musik auf einem großen Sessel für Kinder ab fünf Jahren


Kritiken


Ein halbes Königreich mit links

von Peter Krüger-Lenz, Göttinger Tageblatt, 22. März 1995


Märchen-Premiere mit dem Figurentheater "Gingganz" in Meensen

Wo haben Oma oder Opa immer gesessen, wenn sie an diesen langen, dunklen Abenden Märchen erzählten? Genau, in dem großen, kuscheligen Ohrensessel. Das "Figurentheater Gingganz" spielt mit dieser Erinnerung. Zur Premiere ihres neuen Stückes "Hase und Igel und anderer Unsinn" im Dorfgemeinschaftshaus Meensen ist allein ein prächtig-mächtiges rotes Sitzmöbel die vielseitige Spielstätte.

Schwupps, husch husch

Mechthild Staemmler fleezt sich in den Sessel und beginnt zu erzählen: "Stunden, wo der Unsinn waltet, sind so selten, stört sie nie...". Aus verborgenen Mappen zaubert sie Igel und Hase hervor. In Windeseile klappt sie eine "Rennbahn" für den großen Wettlauf aus. Schwupps, ein Tuch darüber: Fertig ist das Rübenfeld, dessen Furchen der Hase mehr als siebzigmal durchhecheln muß, bis er erschöpft seine Chancenlosigkeit einsieht. Husch, husch verschwinden die "Schauspieler" wieder in den Lehnen, und Mechthild Staemmler leitet elegant zum zweiten Akt.

Diesmal ist sie Hans im Glück. Mit wenigen Requisiten spielt sie die Geschichte. Und wieder formen sich Erinnerungsbilder vor dem inneren Auge der Eltern. Auf der Sessellehne ließ es sich doch ganz wunderbar galoppieren. Mit einem angehefteten Seil sieht das Sesselohr bei richtiger Beleuchtung wie ein Kuhhinterteil aus, und aus dem Kopfkissen lassen sich problemlos Gold, Schwein und Gans formen. Ein bißchen Nachdenklichkeit bleibt zum Schluß bei der Frage nach Glück oder Unglück des Hans.

Den Abschluß bildet die temporeich inszenierte Geschichte vom tapferen Schneiderlein. Mechthild Staemmler verschwindet hinter dem Sessel, aus dem sich geheimnisvoll eine kleine Bühne öffnet. Dort bringt der flinke Held kurzerhand nicht nur sieben auf einen Streich, sondern auch zwei Riesen, ein Einhorn, eine Wildsau, eine ganze Prinzessin und ein halbes Königreich zur Strecke - mit links, versteht sich.

Mechthild Staemmler gelingt es, in 60 kurzweiligen Minuten eine große Spannbreite der Möglichkeiten zu zeigen, die das Genre des Figurentheaters und nicht zuletzt auch das Gingganz-Team bietet; selbst bei der Wiedergabe des alten Grimmschen Märchens. Sie agiert unsichtbar mit Stabpuppen oder als Puppenspielerin sichtbar und doch im Hintergrund. Als Schauspielerin bringt sie mit wenigen Requisiten märchenhafte Welten zum Erscheinen.

Vom Unsinn hingerissen

Abgerundet wird das Theatererlebnis bestens durch die professionelle Musik, die das Jazzermusikerinnen-Duo "Blech, Blas und Bellaphonie" eigens zu diesem Stück perfekt komponiert hat. Mehr als 50 Kinder klatschen dem Hasen, dem Igel und dem ganzen anderen Unsinn Applaus.

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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".