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Ein Spektakel um Goethe, den Weltgeist, die Sprache und um das, was die Welt im Innersten zusammenhält.





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von Tilmann Post, Lübbecker Kreiszeitung, 17. September 1999

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Publikum von Aufführung im Pavillon in Wehe begeistert
 Wehe (WB). Wer von der Vorstellung "Heute: Faust!" eine schwer zu verarbeitende Tragödie von Goethe erwartete und deshalb nicht den Weg in das Theater im Pavillon in Wehe fand, dem kann im Nachhinein gesagt werden: schade. Zwar gibt der Programmzettel zur Dauer des Stückes "eine halbe Ewigkeit" an, doch die zwei Stunden kamen dem amüsierten Zuschauer längst nicht so vor.
Höchstens der einzig handelnden Person, Michael Staemmler, mag das Vorankommen wichtig gewesen zu sein. Schließlich übte er das Unterfangen, drei Personen zu spielen, und meistens zwei davon gleichzeitig. Dabei ging ihm eine Puppe zur Hand. Gleichzeitig schlüpfte der Schauspieler selbst in die Rolle des Dr. Eckermann. Und zwischendurch tauchte noch Goethes - eigentlich schon tote - Mutter auf, ebenfalls von Staemmler gespielt. Die Hauptrolle hat natürlich Johann Wolfgang von Goethe, der mit etwa faustgroßem Kopf und überdimensionaler Nase den armen Herrn Eckermann (Staemmler hinter einer Maske) von seinem Stuhl aus anraunt und scheucht. Eckermann allerdings läßt sich alles gefallen, wird er doch nur vom großen Meister widerwillig als Helfer angenommen, um seine Aufzeichnungen zu ordnen. Eckermann bewundert den Geheimrat, geht ihm aber auf die Nerven.
Er nimmt sogar mit seinem Diktiergerät die Geräusche auf, die der Geheimrat beim Denken macht - keine. Unter dem Motto "wenn's sich nicht reimt, dann stropht's sich" muß bei dem Geheimrat "Neige" auf "Schmerzenreiche" passen. Goethes Reime aus Faust gibt der "Holz-Goethe" nach langen Denkphasen, während denen er von Eckermann vergöttert wird, ganz anders wieder: "Der König von Thule / Der ging nicht gern in die Schule / Lieber aß er eine Birne ... ".
Überhaupt entpuppt sich der große Meister im Laufe der Handlung als gar nicht so groß, sein eifriger Gehilfe merkt dies nicht. Am Schluß bekommt Eckermann doch eine herbe Enttäuschung zu spüren. Der Geheimrat präsentiert nämlich ein Gedicht, das er selbst als Schund verworfen hat, als seinen geistigen Erguß. Das Gedicht hat Eckermann dem Geheimrat vorgetragen. Er droht zu gehen, Goethe reagiert nicht, und Eckermann geht mit den Worten "Bis morgen".
Mit dem Stück des Figurentheater Gingganz holte die Volkshochschule des Altkreises Lübbecke eine Vorstellung nach Wehe, die raffiniert ausgearbeitet war und mit guter technischer Ausführung glänzte. Da jede der Personen eine eigene Art zu sprechen, sich zu bewegen hatte, mußte der einzige Darsteller Staemmler sich ständig umstellen. So kam es vor, daß er als Dr. Eckermann sprach und gleichzeitig die Gestik der Puppe Goethe bewerkstelligte. Auch scheinbar unbedeutende Bewegungen wie das Aufsetzen der Brille oder das Kratzen am Kopf der Puppe erforderte höchste Konzentration. Und nebenbei konnte Staemmler "wie bei den Profis" noch Scherze einbauen. Darauf spielte er immer wieder an, wenn er hinter der Bühne war. Leider wurden die Zuschauerzahlen der Qualität der Vorstellung nicht gerecht. |

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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".
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