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von Heidi Sturm, 25.11.2009 - BAD KREUZNACH – Allgemeine Zeitung

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Irrwitzige Persiflage auf "Orpheus in
der Unterwelt" / Ein Pfannenhieb für Pluto
 Selten hat einer so vergnüglich den Löffel abgegeben wie im Museum für PuppentheaterKultur die Neuankömmlinge in der Unterwelt: Mechthild und Michael Staemmler vom Meensener Figurentheater Gingganz hatten nämlich in ihrer "Orpheus-Version" die Metapher wörtlich genommen und mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt: Feierliche Trauermusik ertönt, der versoffene Concierge Hans Styx in der "Hotel-Rezeption" der Unterwelt salutiert ehrfürchtig, im Aufzug nach unten öffnet sich eine Klappe - und ein hölzerner Kochlöffel wird zackig heraus gereicht. Der entpuppt sich dann auch noch beim Abfragen der Formalitäten als der gute alte Johann Wolfgang von Goethe, der sich – frisch eingekleidet mit geblümten Mantel vom Klamottenständer – gleich nach der schönen Helena erkundigt und diese damit in höchste Verwirrung stürzt. Die hatte nämlich bei ihrer Ankunft einen Liebestöter verpasst bekommen und stürzte jetzt bei der Suche nach einem Fummel fürs erhoffte Rendezvous von einem hysterischen Anfall in den nächsten.
Ganz klar: Bei der "Operette sehr frei nach Jacques Offenbach" war alles andere zu erwarten als ein klassisch-netter Abend mit heiterer Musik und Pariser Flair: Stattdessen präsentierten die Künstler in ihrer temporeichen Mischung aus Schauspiel, Figuren - und Objekttheater eine irrwitzige Persiflage, die reich an Pointen den Ernst des Lebens in ein leicht verrücktes Märchen verwandelt.
Da geht es öfter ganz schön drunter und drüber. Herrlich schräg waren etwa die göttlichen "Köpfe" auf dem Olymp: Die schöne Venus mit einem Spiegel-Gesicht, ein Propeller als Haupt des schnellen Götterboten, die "Pluto-Birne" leuchtend rot, Jagdgöttin Diana vom Pfeil getroffen und Chef Jupiter mit Schlagzeug-Hut -ein Hochspannungs-Gefahrenzeichen. Als die knallbunten und vergnügungssüchtigen Tücher-Typen dann auch noch per Dreirad vom Olymp herabflitzen, gerät die Unterwelt völlig aus den Fugen. Dort, im Hotel des Pluto, ist die schöne Eurydike für den Zimmerservice zuständig. Sie ist todtraurig, weil sie sich nach 2000 Jahren zu ihrem Stehgeiger zurücksehnt. Jupiter gewährt ihr die Gunst, schickt sie zurück nach Theben und kriegt natürlich Ärger mit Pluto. Der stellt der Schönen als Minnesänger nach und bekommt schlagfertig eine Bratpfanne über den Schädel. Genau in dem Moment erscheint Orpheus als waschechte Geige und versteht die Situation völlig falsch. Er schnappt sich die Pfanne, befördert sein Weib mit einem gezielten Schlag zurück in die Unterwelt und erbettelt sich dann bei den Göttern eine weitere Chance. Er kämpft sich Richtung Erde, blickt kurz vor dem Ziel verbotenerweise zurück - und vergeigt erneut das Ganze.
Eurydike und Styx kriegen ihr Happy-End - und als tiefsinniges i-Tüpfelchen taucht als letzter "Kochlöffel" Jacques Offenbach auf und bekommt gleich sein ganzes Starorchester.
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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".
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